Kemal Gekic KEMAL
GEKIC

 

BIOGRAPHIE zum Anfang

Born in Split on the Dalmatian coast of Croatia in 1962, he could already pick out accurate melodies on the piano at age one and a half. He received his early musical training from his aunt, Prof. Lorenza Baturina, and in 1978 entered the class of Prof. Jokuthon Mihailovic at the Art Academy of Novi Sad, Yugoslavia. He earned the highest mark ever granted a diploma exam recital in 1982, and was immediately appointed to the faculty of the piano department which he now directs.

After his spectacular performances at the Chopin Competition in Warsaw (1985) and Montreal (1988), Kemal Gekic began performing extensively throughout Europe, Japan, Canada, USSR, Middle East, with broadcasts on RAI Italy, TV Portugal, RTV Lower Saxony, Germany, Intervision, POLTEL Poland, Radio Canada and NHK Japan.

The year 1996 marks a significant increase in his concert activity, resulting in tours of Japan, Europe, Canada and U.S. After a great success of this US tour, he was immediately reinvited for the second one, in 1997, the year of release of his 7th CD -NAXOS - Liszt - Rossini Transcriptions. The US tour, of 1998 met with the universal acclaim and the flattering reviews.

His recording contract with JVC Music of Japan and USA resulted in the accoladed landmark recording of the complete Liszt Transcendental Etudes (1992) which confirms his emergence as the major pianist of his generation.

Mr. Gekic's future plans include U.S. and European tour of 1999/2000, and release of 4 CDs with live recordings of works by Chopin, Handel, Liszt, Scriabin and Reger.

INTERVIEW zum Anfang

Der kroatische Pianist Kemal Gekic sieht sich als Revolutionär unter den Pianisten. In seinen Interpretationen versucht er durch akribische Arbeit, den Geist und die wunderbaren Farben des vergangenen Jahrhunderts wiederzubeleben. Selbstbewußt befindet er seine gestalterischen Mittel zur Klangkonzeption ungleich reicher und weiter als die seiner Zeit- und Artgenossen. Er stellt sich gegen das Massenrepertoire und den Wahn der Gesamteinspielungen. Ehrlich möchte er eine Authentizität zwischen sich und dem Willen des Komponisten herstellen. Dazu benötigt er Zeit. Viel Zeit!

PIANONews: Herr Gekic, Sie wurden bei zwei Wettbewerben nicht zum Finale zugelassen: Im Warschauer Chopin-Wettbewerb und in Montreal. Gleichzeitig war das der Startschuß Ihrer Karriere. Das erinnert mich an Ivo Pogorelich, dem es ähnlich ergangen ist und der nicht weit von ihrem Heimatort geboren wurde. Ist es eine kroatische Eigenschaft, seine Karriere mit einem Skandal zu beginnen?

K. Gekic: Wissen Sie, Sie müssen ja mit irgendetwas anfangen. Ich habe nach diesem Wettbewerb in Warschau eine Menge Einladungen von wichtigen Managern und Musikfirmen aus Japan und den USA erhalten. Es war nicht meine Entscheidung. Es ist so passiert. Jemand, der aus einem Land wie Kroatien kommt, das kein kulturelles Gewicht hat und keine ökonomische Macht, hat kaum eine Chance, in Warschau zu gewinnen. Das ist leider wahr. Das Wichtigste ist, daß jemand aus Ihrem Land in der Jury sitzt und Sie unterstützt. Und aus Kroatien gibt es da niemanden.

PIANONews: Vielleicht war da der Skandal doch ganz praktisch.

K. Gekic: Ja, manchmal ist das besser als der 1. Preis. Ich mag das nicht, aber es stimmt.

PIANONews: Was ist eigentlich mit der kroatischen Musikkultur nach dem lang andauernden Bosnienkrieg geschehen?

K. Gekic: Sie wurde wieder entdeckt und viel besser mit dem Rest der Welt verbunden. Es gibt Gäste aus dem Westen und Osten, aus Amerika, Deutschland, Japan und Österreich.

PIANONews: Stellt es denn nicht finanzielle Probleme, Künstler aus dem Westen für Konzerte und Lehrtätigkeiten zu engagieren?

K. Gekic: Wir hatten eigentlich immer Lehrer. Die Akademie in Zagreb ist eine der ältesten in Europa. Wir zahlen nicht für Lehrer, wir zahlen für Dirigenten, Solisten und Theatergruppen.

PIANONews: Die Kritiken beschreiben Sie als einen absolut perfekten Virtuosen und loben Ihre Kontrolle der Tonfarbe, der dynamischen Abstufungen und eine ungeheure emotionale Authentizität. Was steht da der richtig großen Weltkarriere noch im Weg?

K. Gekic: Der Grund dafür ist, daß ich nicht besonders am Business interessiert bin. Ich nehme mir Zeit. Das Geschäft darf nicht das Wichtigste sein. Es gibt berühmte Leute, die stecken so sehr im Geschäft, daß sie nicht mehr spielen können. Sie spielen zu viel und überstrapazieren ihren gesamten Organismus. Sogar Murray Perahia hat in den letzten Jahren Probleme mit den Händen. Und Leon Fleisher, der ein absolut phantastischer Pianist war, hat seine Arme zerstört. Ich mache das auf meine Art: ich bin vor allem daran interessiert, Musik zu studieren, mich in allen Stilen auszukennen. Und das braucht eine Menge Zeit.

PIANONews: Man hat Sie schon des öfteren als Genie bezeichnet. Als großen Pianisten einer "Neuen Romantik" einer "Neuen Freiheit". Die Geschichtsschreibung spricht vor allem im 19. Jahrhundert von Genies. In der ernsten Musik gibt es diese Kategorien nicht mehr. Auch solch charismatische Pianisten wie Liszt, bei denen die Frauen in Ohnmacht fielen wie heute nur noch in der Popkultur, sind spurlos verschwunden. Woher ziehen Sie das Wesen und die Freiheit des letzten Jahrhunderts, den wunderbaren Duft von Romantik und die Verschmelzung von Geist und Musik?

K. Gekic: Ich würde mich selbst nie in diese Kategorien stecken. Kategorisierung ist immer falsch. Ich möchte Ihnen zwei Punkte nennen: Erstens: Eine historische Perspektive. Ich denke, im letzten Jahrhundert gab es sehr große Virtuosen, die gegen Ende in eine Art Manierismus abgedriftet und zu einem hypersubjektiven Typus geworden sind. Der polnische Pianist Ignaz Friedman ist solch ein Beispiel, oder Paderewski, auch Busoni, der sogar die Partituren von Franck geändert haben soll unter dem Vorwand, daß Franck nicht richtig schreiben könne. Als Reaktion darauf haben wir dann nach dem zweiten Weltkrieg die Virtuosen, die ganz auf Texttreue setzen.

PIANONews: Meinen Sie damit jemanden wie Geza Anda oder Edwin Fischer?

K. Gekic: Die ganze Generation. Der Text war für die eine Bibel. Wir wissen ja durch Zeitzeugen, daß Beethoven das Tempo innerhalb der Stücke oft geändert hat. In Aufnahmen aus den 60er Jahren ist alles streng im Tempo. Und die Sache mit dem einzig wahren Urtext ging schließlich auch zu weit. Nun der zweite Punkt: Ich erzähle Ihnen, was ich mache. Meine Idee ist, daß es nichts subjektiveres gibt auf der Welt als Musik. Der Komponist ist das Subjekt, und wir führen ihn aus. Also müssen wir uns absolut und ganz engagieren. Was die Treue zum Text angeht, so würde ich sagen, daß ich neunzig Prozent davon spiele.

PIANONews: Was ist mit dem Rest?

K. Gekic: Je nach Musik. Selbst Liszt hat ein Werk nie zweimal gleich gespielt. Und das erwartet er auch von uns. Einmal hat einer seiner Studenten eine Ungarische Rhapsodie gespielt. Liszt sagte dazu: "Spielen Sie nicht, was da steht! Sie müssen improvisieren!" Also ich möchte mit allem, was man heute über die Musik und ihre Geschichte weiß, die Intention des Komponisten möglichst stark und treu wiedergeben. Das heißt: man muß dem Werk da geben, was der Komponist wollte, sei es Freiheit, Strenge, Persönlichkeit oder Objektivität.

PIANONews: Apropos Liszt. Sie haben ja sehr viel Liszt gespielt und aufgenommen. Fühlen Sie da eine besonders direkte oder intime Beziehung?

K. Gekic: Da ist eine große Verwandtschaft. Aber daß ich so viel Liszt aufgenommen habe, wurde von Veranstaltern und Plattenfirmen verlangt. Und dann gab es da einige "Weltauthoritäten". Dazu gehört der Liszt-Biograph Dr. Alan Walker, der gesagt hat, daß er die transzendenten Etüden nie besser gehört hat. Das Resultat: die Leute möchten genau das von mir hören. Als ich 1985 viel Liszt gespielt habe, war die Lisztrezeption noch nicht so gut wie heute. In den 70er und 80er Jahren waren ja noch nicht einmal alle Werke veröffentlicht. Und zu dieser Zeit gab ich mir selbst das Versprechen, in jedem meiner Recitals zumindest ein Opus von Liszt zu spielen, was ich seitdem tatsächlich mache. Ich spielte nicht alle, aber sicherlich über hundert.

PIANONews: Journalisten schreiben, Sie würden pianistische Grenzen durchbrechen. Welche Grenzen kann man sich da nach einer über drei Jahrhunderte währenden Geschichte des Klavierspiels noch vorstellen?

K. Gekic: Einige der klassischen Ausdrucksarten sind heute verloren gegangen. Ich habe viel über die Aufführungspraxis bei Beethoven, Chopin und Liszt gelesen. Ich habe sicherlich 150 Beschreibungen über Liszts Konzerte gelesen. Da können Sie etwas lernen, was Sie heute einfach nicht mehr hören. Der Anschlag, den Gebrauch von Dynamik, Pedal, Farbe. Die internationale Schule kümmert sich um solches Zeug nur wenig. Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Wir lügen heute immer noch über diese Sache mit der korrekten Position der Hände ...

PIANONews: ... die anatomisch bedingt ist ...

K. Gekic: ... sie existiert einfach nicht. Es gibt keine richtige und falsche Handposition per se. Es gibt eine Position, die gut ist für eine bestimmte Art von Musik, für bestimmte Passagen oder Effekte. Alles andere ist völlig frei.

PIANONews: Was bevorzugen Sie denn für Liszts Musik? Flach über die Taste fliegen, wie Liszt es selbst gemacht und vertreten hat?

K. Gekic: Ich benutze alles. Das ist notwendig. Ich versuche, die Bedeutung von Ausdruck, der heute längst schon vergessen ist, wieder zu entdecken. Natürlich ist das ein ständiger Lernprozeß. Zum Beispiel habe ich an dem Konzert von Reger, das wir morgen spielen, wieder eine Menge neue Techniken gelernt. Ich glaube vor allem, daß meine Konzeption vom Klang weiter und reicher ist als bei den meisten Pianisten.

PIANONews: Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für die klangliche Armut der Musiker?

K. Gekic: Ich denke, die kulturelle Umgebung. Heute kämpfen wir für Objektivität. Die Menschen sind glücklich, wenn Pianisten richtige Noten anschlagen und Stücke sehr gut geübt klingen. Auch, wenn man energisch spielt. Wir leben im Zeitalter der Energie und Perfektion. Wir legen viel mehr Wert auf Rhythmus und Tempo als auf die Klangfarbe. Aber Klangfarbe war vorherrschend im letzten Jahrhundert. Und Musik ohne Farbe ist einfach grau.

PIANONews: Lebende Komponisten experimentieren doch sehr viel mit der Klangfarbe. Sie machen Studien und versuchen neue Klänge auf dem Klavier zu finden, sei es mit Resonanzen freigelegter Saiten, sei es die Erweiterung des harmonischen Systems und der Spielarten. Das müßte Ihnen Spaß machen.

K. Gekic: Ich wäre glücklich, wenn ich ein gutes Klavierkonzert finden würde. Ich denke, daß Mister Rihm, dessen neues Werk hier in Karlsruhe morgen uraufgeführt wird, ein wunderbares Klavierkonzert schreiben könnte.

PIANONews: Herr Rihm ist aber wirklich sehr busy. Nach Stockhausen und Lachenmann ist er der deutsche "Shooting-Star" der mittleren Generation. Es gibt aber ­ glaube ich ­ neun beachtenswerte Klavierstücke!

K. Gekic: Ich bin bereit zu lernen. Ja! Aber ich glaube, das Problem der Farbe gibt es eben auch in der klassischen Musik. Beethoven und Haydn haben da sehr viel experimentiert. Haydn wollte mit langen Pedalen den Effekt einer Musikbox erzielen. Und Beethoven soll im zweiten Satz des dritten Klavierkonzerts den Fuß nicht ein einziges Mal vom Pedal gehoben haben.

PIANONews: Das ist ja schrecklich!

K. Gekic: Auf einem modernen Klavier muß man das modifizieren und delikater gestalten. Aber trotzdem: Die Idee von Trübung existiert als Farbe. Die artistische Idee von einem Prediger in einem Käfig oder in der Natur muß immer da sein. Im letzten Satz der "Waldstein-Sonate" sind zum Beispiel viele lange Pedale notiert. Die müssen gemacht werden. Das Ergebnis muß mit dem übereinstimmen, was Beethoven wollte: Nebel! Ein phantastischer, geheimnisvoller Nebel! Es gibt Pianisten, die das gemacht haben. Wenn Sie Arthur Schnabel hören, dann ist dieses Moment des Phantastischen anwesend. Es ist nicht so, daß die Pianisten heute dazu nicht in der Lage wären. Nein. Sie stressen sich mit anderen Maximen.

PIANONews: Musik manipuliert uns, habe ich in einem Text von Ihnen gelesen. Wie?

K. Gekic: Zuerst einmal psychologisch. Ich lerne ein neues Stück. Ich spiele es einmal, dann für zwei oder drei Jahre nicht mehr. Es befindet sich in meinem Körper. Nicht nur im Gedächtnis. Es ist überall. Und es arbeitet. Als ob eine Frau ein Baby in sich trägt. Sie tut viele andere Dinge. Aber gleichzeitig wächst das Baby. Und dieses Baby ist die Interpretation unseres Stücks, der Komponist gehört dann zur Familie. Wenn Sie seine Ideen wirklich assimilieren, dann ändern Sie sich. Dieser Lern- und Anpassungsprozeß ändert Sie, Ihr psychologisches Bild, den Körper. Die Behandlung des Instruments wird anders sein, die Reflexe und auch die Stimmung.

PIANONews: Sprechen wir über etwas anderes. Die Frage mag Ihnen etwas unvermittelt erscheinen: Was, denken Sie, ist das typische Charakteristikum in der Deutschen Musik?

K. Gekic: Ich habe mich sehr dafür interessiert, die Nationen zu vergleichen. In einigen Epochen sind die besten Quellen der Musik in Rußland und Deutschland geflossen. Auch Literatur und Philosophie waren eine Zeit lang in Rußland und Deutschland zu Hause. Ich denke, daß die Deutsche Nationalrhythmik sehr quadratisch ist. Ich habe auf Festen in Städten am Bodensee Deutsche Volksmusik gehört; wissen Sie, wenn die Leute auf der Straße herumziehen und singen und spielen. Man merkt, daß Deutscher Rhythmus sehr vertikal orientiert ist. Auf der anderen Seite gibt es diese Verrücktheit, diesen Wagemut und ein kurioses Element. Nur das konnte uns das Genie Beethoven geben, das all diese Elemente vereinte. Seine Ideen waren wirklich transzendental. Und das könnte ihn mit der Deutschen Philosophie verbinden, mit Hegel, Kant ...

PIANONews: ... ich denke auch, daß vor allem die psychologische Tiefe sehr signifikant für Beethovens Musik ist ...

K. Gekic: Absolut. Wissen Sie, jede Sonate kann Sie viele Jahre kosten. Zehn oder zwanzig. Und so bin ich wirklich erstaunt, daß Menschen tatsächlich alle 32 Sonaten spielen können.

PIANONews: Das habe ich nie verstanden, wie der Pollini etwa die Sonaten in acht oder zehn Abenden runterspielen kann.

K. Gekic: Technisch kein Problem. Ich schätze Pollini natürlich. Aber Busoni hat einmal gesagt: Das Leben sei zu kurz, um die Hammerklaviersonate zu lernen (lacht). Natürlich hat er sie alle gespielt. Aber ich denke, um diese Dinge wirklich zu verstehen, brauchen wir sehr viel Zeit, ..., ja, sehr viel Zeit! (Pause) Und das Leben zieht dabei sehr schnell vorüber.

PIANONews: Das sagen Sie so nachdenklich!

K. Gekic: Sehen Sie, selbst ein Genie wie Beethoven hat sein ganzes Leben gebraucht, seine Musik aufzuschreiben. Wir können nicht alle seine Stücke in unser Herz schließen, und dazu noch die von Chopin, die von Bach etc. Wir müßten dazu ein viel größeres Genie sein als all diese Genies zusammen. Aber das sind wir nicht. Und das macht es so schwer, wirklich gut zu spielen. Denn wirklich gut geht weiter als nur die perfekte Beherrschung des Instruments. Das geht zur Essenz, zur Philosophie der Musik.

PIANONews: Erzählen Sie uns mal was über Ihre zukünftigen Projekte?

K. Gekic: Ich bin zur Zeit mitten in meiner Amerikatournee. Am 20. November komme ich wieder nach Europa, um mit dem Gewandhaus-Orchester Leipzig Beethovens drittes Konzert zu spielen. Und dann müssen wir einige neue CDs veröffentlichen. Zum Beispiel eine CD, die live in Montreal aufgenommen wurde, mit Werken von Händel und Skrjabin, und von Liszts eigener Bearbeitung seines "Le triomphe funèbre de Tasse", die noch nie aufgenommen wurde. Es ist ein großartiges Werk. Liszt wollte, daß man dieses Werk bei seiner Beerdigung spielte, was am Ende leider nicht passiert ist. Wir bereiten hier in Karlsruhe auch gerade eine CD mit dem Konzert von Max Reger vor, und im November (1998) sollte eine mit Chopin erscheinen, die 2. Sonate, Polonaisen und Impromptus. Auch live.

PIANONews: Möchten Sie nicht einmal die erste Sonate von Chopin aufnehmen anstatt die hundert-x-te Version der zweiten? Niemand spielt sie.

K. Gekic: Ich kenne das Stück sehr gut. Es gibt Gründe dafür, daß es selten gespielt wird. 1. Diese Sonate ist historisch interessant, aber auch albern. Er wollte seine große Kompositionstechnik beweisen. Es stecken eine Menge kompositorische Prozesse darin, die nicht wirklich wichtig für seinen späteren Stil waren. Im Speziellen die motivische Arbeit, die sehr klassisch angehaucht und von Hummel und Beethoven beeinflußt ist. Dafür gibt es die nach Bellini klingenden Melodien nicht. Der Satz im Fünfvierteltakt ist interessant. Aber ich denke, daß kuriose dieses Werk nicht Ausdruck seines musikalischen Talents ist. Aber vielleicht haben Sie recht: ich sollte die erste Sonate einmal aufnehmen.

PIANONews: Sie mögen also Kuriositäten.

K. Gekic: Ich mag alles! Ich mag auch das "Mainstream-Repertoire". Es gibt einen Grund dafür, daß die Werke so berühmt sind. Sie sind phantastisch. Ich mag aber auch neue Stücke in den Konzertsaal mitnehmen, weil man damit auch immer Neues sagen kann. Zum Beispiel habe ich die erste Sonate von Rachmaninov gespielt. Es ist ein selten gespieltes Werk. Und ich denke, daß das andere Pianisten angeregt hat, das Werk zu studieren. Jetzt wurde es auch aufgenommen.

PIANONews: Sie meinen die Sonate in d-moll ...

K. Gekic: Ja. Ich halte sie für ein besseres Werk als die in b-moll, die problematisch vor allem in ihrer reduzierten Version ist.

PIANONews: Idil Biret hat die beiden Sonaten eingespielt.

K. Gekic: Sie hat alles von Rachmaninov eingespielt. Aber ich denke, daß die zweite Version wirklich nicht gut ist. Man kann die Schere und ihre Schnitte hören.

PIANONews: Die zweite Version ist doch aus dem Jahre 1931. Rachmaninov müßte doch reifer gewesen sein ...

K. Gekic: ... ich mag lieber die Version von 1913.

PIANONews: Aber sie ist wesentlich schwerer.

K. Gekic: Sie ist schwerer, aber einige Passagen sind besser geschrieben.

PIANONews: Also mein persönlicher Wunsch für Sie und die Musikwelt ist, daß Sie morgen Mister Wolfgang Rihm treffen und daß er ein wunderbar farbiges Klavierkonzert für Sie schreiben wird, das Sie dann hier in Deutschland uraufführen werden.

K. Gekic: Ich weiß nicht. Vielleicht hat er keine Zeit.

PIANONews: Fragen Sie Ihn. Ich wünsche Ihnen alles Gute und danke Ihnen für das Gespräch.

PRESSE zum Anfang

"With breathtaking program, the pianist Kemal Gekic ravished listeners in the Landes Castle. Concentrated and tented through all four movements, Chopin´s Sonata op. 35 was brilliantly performed, especially 'March funerable' had left a powerful impression with ist deeply 'lived through' interpretation. Spontanous temperament of Kemal Gekic reflected itself again in 'Grand Galop chromatique' and 'La Danza'."
Carola Faber, Hannoverische Allgemeine Zeitung, 1995

"That he disposes furious virtuosity, Gekic has proved in two Liszt´s etudes, 'Chasse neige' and 'Feux follets'. He mastered enormous technical problems, double notes, tremolos and leaps, in the fastest tempo- with amazing dexterity. This keybord lion has, though, performed the feats of extreme delicacy. Entirely in his mood, the pianist played Liszt´s paraphrase on Rossini´s ouverture 'William Tell', which had, in his condensed performance, seemed as a wide canvas for a picture of big orchestra.
(D.E.) Darmstädter Echo, 1994

"Kemal Gekic has played entirely form his being, inteligently. He widely outlines arches of tension in Chopin´s mazurkas, waltzes, makes deeply felt transitions and he astonishes with his idiosyncratic interpretations. Only rare viruosos achieve such glimmering figures and tremolos in Liszt´s 'Etudes d´execution transcendante', with such astonishing silky glitter. In 'Wilde Jagd', minding the burden that piano can take, he let horses into the room, presenting them in the most pituresque way."
Dietrich Steincke, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 1992

"His playing is transcendental as well as incandescent."
John Ardoin, The Dallas Mornig News,US

"One of those phenomenal few in any generation born to play the piano. A 'piano centaur' as was said of Liszt."
Fanfare, USA

"Kemal Gekic was clearly born to play Lizst."
Toronto Star, Canada

"His performance encompasses all possible perfection of expression and fantasy, not only mechanical or digital impeccability."
The Record Geijitsu, Japan

"Kemal Gekic is a phenomenal pianist. His transcendental performances of the Figaro Fantasy and Chasses Neiges are beyond compare. When I listen to them, I am aware that a remarable musician is presiding at the keyboard."
Alan Walker, noted Liszt biographer

"A genius with limitless talent."
Jan Weber, Express wieczorny, Poland

"In the first half of his recital, he played the complete second book of Annes de pelerinages, seven works insired by Liszt´s travels in Italy, and the results were often breathtaking, nor only because of his dexterity, speed and power, but because Gekic is a tonal colorist of the first order. Her desplayed a velvet tone with a cutting edge, reminiscent of Horowitz and Rubinstein. How nice it would be to have him teaching and performing in South Florida."
James Roos, The Miami Herald, 1999

"All great pianists are unique and therefore eccentric, but Gekic belongs to the more extreme end of the spectrum - he belongs in the tradition of such pianists as Vladimir Sofronitzky, Samson Francois, Glenn Gould, Georges Cziffra, and Arturo Benedetti Michelangeli, with Vladimir Horowitz himself at the heads of the class, all of them unlike each other, each of them incomparable. Gekic plays the last etude, 'Chasse Neige', better than anyone who has ever recorded it - you can feel the plod of foot, the lash of wide and cold, and see the snow as it falls and flurries upward."
Richard Dyer, The Boston Globe, 1998

"Croatian pianist Kemal Gekic demonstrated a lively appreciation for the music of Franz Listz, a grand technique, and a humorous, slightly self-deprecating manner in addressing commentary to the audience at Friday night´s piano series event at Muhlenberg College. The audience´s enthusiasm brought forth two encores, an overwhelming 'Grande Galoppe Chromatique' by Liszt and a graceful 'Mazurka and Waltz' by Chopin."
Philip A. Metzger, The Morning Call, 1996

"There was always an interest in what was going on underneath a surface of moody melodies and lush harmonies. The sheer polish of the playing, not to mention the power backing it up provided ample evidence that Gekic is, indeed an execptional artist."
Tim Smith, Sun-Sentinel, 1999

"Standing ovations brought a couple of ravishing encores. The whole recital was a sharp reminder of how seldom in these days when pianists often sound so boringly alike that we hear a genuine individualist, someone who not only enjoys evoking a bygone era, but has both the musical and technical know-how to play in a style reminiscent of early-century virtuosi like Josef Lhevinne and Josef Hofmann."
James Roos, The Herald, 1999

"The man who produced most of the thrills was pianist Kemal Gekic, a blazing young virtuoso from Split, Croatia. He sailed into Tchaikovsky´s Piano Concerto No. 1 and left his admiring audience breathless with his daring, his deeply personal and fresh approach and with his thunderous conviction that made up for any lack of lyricism."
Hugh Fraser, Hamilton Spectator, 1998

"Hearing Mr. Gekic finally in person, one can easily understand the uproar that was caused in the 1985 Chopin Competition in Warsaw, Poland, when he was eliminated, to the dismay of many in the audience. But playing like this needs no prize. It is, instead, something to be prized. Capping everything, however, was a driven, manic performance of 'Der Erlkönig'. It flashed and drove forward as relentlessly as a summer storm. This miniature operatic scene became in his hands - and thanks to Liszt - the pure theater piece Schubert must have intended."
John Ardoin, The Dallas Morning News, 1998

"Pianiste complet, interprète intéressante, musicien sincère avait-je écrit en 1988. Dix ans plus tard, je reprendrais le même commentaire, en insistant sur certains qualificatifs. (..) Bref, c´est un grand pianiste que nous écoutions."
Claude Bingras, La Presse, Montréal 1998

"Kemal Gekic´s playing is simply hair-raising all through this fascinating collection. Some of the material may be slight, but he spins it into the purest gold. the overture has to be heard to be believed. Pianism this exciting harks back to the days of Horowitz and Barere. I hope Naxos has the wisdom to assign him the Liszt Beethoven symphonies."
Linkowski about Liszt Rossini Transcriptions Vol 1, Naxos 553961

"Dann, als zweite Zugabe, donnert er "Galopp Cromatique" von Franz Liszt herunter, in einem Tempo und einer Wucht, daß einem Hören und Sehen vergeht. Das Publikum ist hingerissen. Ein schweres, ein gewaltiges Programm, für dessen zarte, poetische Momente, in denen man besonders Kemal Gekics Gestaltungskraft bewundern kann, man dankbar ist."
Frank Golischewski, K-Bote, 1996

"Drei Paraphrasen Schubertscher Lieder von Franz Liszt: Wenn ein Flügel überhaupt singen kann, dann hat er es hier unter Kemal Gekics Händen getan. Alle klavieristischen Verzierungen sind ins delikate Pianissimo verbannt, überdem sich mit innigem Melos die Gesangsstimme erhebt."
Friedrich W. Doerr, Badische Zeitung 1998

"Das Spiel des kroatischen Pianisten hatte Biß, sein kerniger Anschlag gab dem vertrackten Klaviersatz, dessen Bogen von der akkordischen Eruption (Kopfsatz) über tiefschürfenden Ausdruck im Largo bis zur übermütigen Brillanz im Finale reicht, noch zusätzliche Schubkraft."
Ulrich Hartmann über Regers Klavierkonzert f-moll op. 114 in den Badischen Neusten Nachrichten 1998



Fotonachweis:
Kemal Gekic: A. Mlazev
Noten-Hintergrund: David P. Graham - Breve Avventura